Vegetationsstudie in der Lüneburger Heide

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Inhaltsverzeichnis Diplomarbeit

Teil B: Das Untersuchungsgebiet

2. Geologie und Erdgeschichte (nach SEEDORF und MEYER 1992)

Im Paläozoikum (vor 570 - 245 Millionen Jahre) und im Mesozoikum (vor 245 - 65 Millionen Jahre) war der niedersächsische Raum während vieler Jahrmillionen Senkungsgebiet und meist von Meer überflutet. In dieser Zeit bildeten sich über 10 000 m mächtige Sedimentgesteine, die während kurzer Festlandperioden durch Erosions- und Verwitterungsvorgänge nur geringfügig abgetragen wurden. Hervorgehoben sei aus dieser Zeitspanne das Ober-Perm (vor 255 - 245 Millionen Jahre), in dem nahezu das gesamte niedersächsische Gebiet von einem stark salzhaltigen Flachmeer, dem Zechsteinmeer, überspült wurde. In landnahen, abgeschnürten Becken unterlag das relativ flache Wasser einer hohen Verdunstung, derzufolge durch wiederholter Eindampfung eine bis über 1000 m mächtige zyklenhafte Folge von Salzen entstand, die heute in ganz Norddeutschland im Untergrund anzutreffen ist. Gerade im Bereich Lüneburger Heide spielte der Abbau dieser Salze wirtschaftlich eine große Rolle, wie einige Ortsnamen (z.B. Soltau) noch heute bekunden.

Kräftige Hebungen im Tertiär (vor 63 - 1,7 Millionen Jahre) brachten die Schollen der "Mittelgebirgsschwelle" und des Harzes nahezu in ihre heutige Höhe, so daß nur noch das niedersächsische Tiefland vom Meer überflutet wurde und mächtige Ton- und Sandschichten sich ablagerten. Es zeichnete sich bereits eine radikale Klimaverschlechterung ab, die sich im Quartär (vor 1,7 Millionen Jahre bis heute) verstärkte und in den rhythmischen Wechsel der Kalt- und Warmzeiten des Pleistozäns (vor 1,7 Millionen - 8000 Jahre) einmündete.

Die Ablagerungen der ältesten nachweisbaren Eiszeit in Nordwestdeutschland, der Elster- Eiszeit (vor ca. 350 000 Jahren) hinterließ eine typische Abfolge von Sedimenten: Der vordringende Gletscher setzte Vorschüttsande ab, darüber folgte eine Schicht Geschiebemergel der Grundmoräne, die meist von Nachschüttsanden der Abschmelzphase überlagert wurde.

Das Relief des niedersächsischen Tieflandes wird heute weiträumig von Ablagerungen der folgenden Saale-Eiszeit (vor ca. 200 000 Jahren) bestimmt. Ihre Gletscher drangen in Nordwestdeutschland weiter südlich vor als die der Elstereiszeit und überdeckten und glätteten deren Ablagerungen.

In Norddeutschland umfaßte das Saale-Glazial drei Vorstoßperioden, wobei die beiden ersten meistens dem "Drenthe-Stadium" und die jüngere dem "Warthe- Stadium" zugeordnet werden (WOLDSTEDT UND DUPHORN 1974). Die frühen Eisvorstöße des "Drenthe-Stadiums" hinterließen die Endmoränenwälle zwischen Weser, Elbe und Aller. Zu ihnen gehören die großen Endmoränenaufschüttungen der Lüneburger Heide, deren Hauptrandlage sich in weitem Bogen von den Schwarzen Bergen bei Harburg (156 m) über den Wilseder Berg (169 m), die Wierener Berge bei Uelzen (130 m) weiter nach Südosten erstreckt. Vor diesem Endmoränenzug erstrecken sich riesige Sanderflächen.

Man nimmt heute an, daß das nicht sehr dicke Warthe-Eis diese Randlage nur noch schwach überformt hat. Im Westen dieser Randlage befindet sich die Schneverdinger Endmoräne, die zusammen mit den vorgelagerten Schmelzwasserbildungen den sandigen und kiesigen Untergrund des Untersuchungsgebietes bildet (MEISEL1964). Zeitlich ist die Entstehung der Schneverdinger Endmoräne in den frühesten Vorstoß des "Drenthe-Stadiums" anzusiedeln, die man als "Rehburger Phase" bezeichnet (SEEDORF und MEYER 1992). In ihr entstanden nur Stauchmoränen, die während der Vorrückphase des Gletschers entstanden (EHLERS 1990). Der im Untersuchungsraum befindliche Möhrengrund ist auf abfließendes Schmelzwasser derartiger Gletscher zurückzuführen (LÜTTIG 1996).

In der Weichsel-Kaltzeit (ca. vor 115 000 - 10 000 Jahren) drangen die Gletscher nur noch bis zur Elbe (Jungmoränengebiet) vor, Niedersachsen (Altmoränengebiet) lag im frostreichen Tundrenklima des Eisvorlandes und war somit Periglazialgebiet, so daß im Weichsel-Hochglazial (ca. vor 20 000 - 15 000 Jahren) Dauerfrostboden vorherrschte. Die klimatischen Bedingungen waren extrem, so daß sie zu weiträumigen Abtragungs- und Umlagerungsvorgängen führten: Im Frühsommer taute die oberste Bodenschicht des Frostbodens zu einer breiartigen Konsistenz auf, die das sogenannte Bodenfließen (Gelisolifluktion) begünstigte. Unter Einwirkung der Gravitation erfolgte eine Fraktionierung der Fließerde, so daß sich unmittelbar über den Frostboden eine Steinsohle ausbildete (HORST 1964). Schneeschmelzwässer spülten im Sommer die Hänge ab, während in trockenen Frostperioden die Ausblasung und Ablagerung durch den Wind auf den vegetationsarmen Flächen die Erosion vorantrieb. Dabei wurden die Höhen der Endmoränen und die Buckel der Grundmoränen erniedrigt. In der ausgehenden Weichsel-Kaltzeit wurde aus Ausblasungsgebieten durch die aufkommende Vegetation ("Sandfänger") Ablagerungsgebiete. Für Niedersachsen ist diese so entstandene, ungeschichtete Decke von 0.8 bis 1.5 m Mächtigkeit charakteristisch, die als " Geschiebedecksand" bezeichnet wird. Im nordöstlich der Alten Landstraße liegenden Teil des Untersuchungsgebietes befinden sich zu Flugsanddecken und Dünen erhöhte, zum größten Teil bewaldete Sandflächen (PYRITZ 1972).

In der Nacheiszeit (seit 10 000 Jahren) veränderte der Mensch viel stärker das Landschaftsbild als das Klima. Schon in den Jungsteinzeit und in der Bronzezeit wurden die natürlichen Wälder gerodet und vom Weidevieh zurückgedrängt. An ihrer Stelle traten weite, karge Heideflächen, die bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts große Teile der Geestgebiete einnahmen. Diese Heideflächen wurden von der ländlichen Bevölkerung vielfältig genutzt. Durch Plaggenhieb und Mahd wurde dem nährstoffarmen Gebiet Dünger für die Ackerflächen abgetrotzt. Kontrolliert angelegter Brand zur Verjüngung der Heide führte zur Auswaschung und damit zu einem zusätzlichen Austrag von Nährstoffen. Als Nutzvieh konnten Heidschnucken gehalten werden, die in der Heide weideten. Übernutzung führte aber stellenweise Ende des 18. Jahrhunderts zu großflächig vegetationsfreien Sandflächen, die Wehsand und Dünenbildung verursachten (VÖLKSEN 1993). Solche Jungdünen anthropogenen Ursprungs sind im südlichen Teil der Roten Fläche I vorhanden.

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