Vegetationsstudie in der Lüneburger Heide

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Inhaltsverzeichnis Diplomarbeit

Teil B: Das Untersuchungsgebiet

3. Böden

Auf der niedersächsischen Geest sind kalkfreie Sandböden weit verbreitet. Auf nährstoffarmen Flug- und Schmelzwassersanden bildet sich oftmals ein Bodentyp aus, der Podsol genannt wird, dessen Bodenreaktionen oft sauer sind (pH < 5) und damit die chronische Zersetzung der wenigen Tonmineralien und der Silikate beschleunigen; Eisen-, Mangan- und Aluminiumoxide (sog. Sesquioxide) werden reduziert und an organische Huminsäuren gebunden, die dann verhältnismäßig leicht ausgewaschen werden können. Zusätzlich verschlechtert der niedrige pH-Wert die Lebensbedingungen für die im Boden lebenden Kleinlebewesen, und der mikrobielle Abbau der organischen Substanz verzögert sich. Im Auflagehorizont reichert sich infolgedessen Rohhumus an, aus dem verstärkt Huminsäuren freigesetzt werden, die wiederum zum Versauern des Bodens beitragen. Bei der Zersetzung von Heidestrauch- und Nadelholzstreu werden niedermolekulare Stoffe wie Polyphenole und Fulvosäure abgesondert, die eine stark saure Bodenreaktion hervorrufen (ROESCHMANN 1971). Ganzjährig hohe Niederschläge und eine vergleichsweise niedrige Verdunstung, wie es bei einem atlantischen Klima der Fall ist, sorgen für die Auswaschung und Verlagerung der Sesquioxide in tiefere Bodenschichten. Auf porösen Sanden erfolgt dieser Vorgang besonders effektiv, so daß hier die tiefgründigsten Podsole entstehen (SCHACHTSCHABEL et al. 1989). Durch menschliche Tätigkeit hervorgerufenen &AUML;nderungen der Vegetation können die Podsolierung fördern oder hemmen.

Das typische Profil eines Eisen-Humus-Podsols, wie er im Untersuchungsgebiet zu finden ist, zeigt Abb.5. Im Idealfall weisen Podsole ein O-Ah-Ae-Bh-Bs-C-Profil auf. Die Rohhumusauflage (O) kann bis zu 10 cm dick sein, dem ein mineralischer Oberbodenhorizont (Ah) folgt, der nur wenige Zentimeter mächtig und schwarzgrau ist. Diese Schicht kann bis zu 15 Gew.-% akkumulierten Humus enthalten, dessen Menge nach unten hin abnimmt (BODENKUNDLICHE KARTIERANLEITUNG 1982) . Eine Dicke von 10 bis 20 cm hat meist der folgende Bleichhorizont (Ae), aus dem Huminstoffe und Sesquioxide ausgeschwemmt und in dem 20 bis 60 cm dicken Einwaschungshorizont (B) wieder ausgefällt werden. Dabei ist er im oberen Teil infolge der Humusanreicherung tief- bis braunschwarz (Bh), bei zunehmender Tiefe von Eisenoxiden, die erst später ausgefällt werden, bräunlich gefärbt (Bsh), bis schließlich rot-rostbraun (Bs) überwiegt. Diese Einlagerungen in den B-Horizont werden je nach Verfestigungsgrad Ortstein oder -erde genannt. Oft kann man nach unten hin millimeterdünne Eisen-Humusbänder beobachten, die in das angewitterte Ausgangsgestein bzw. ins Dünensand (C) überleiten (SEEDORF und MEYER 1992).

Dort, wo Schmelzwasser- und Geschiebesande mehr Silikate enthalten, aus deren Verwitterung auch Tonteilchen hervorgehen und wo Laubwälder den Boden vor Auswaschung und saurer Streu schützen, sind Podsol-Braunerden mit einem verlehmten Verbraunungshorizont (Bv) und einem nur geringmächtigen Auswaschungshorizont (Ae) entstanden (SCHEFFER und SCHACHTSCHABEL 1984).

Auf jungen festgelegten Dünen findet man den Podsol-Ranker (KRAUSE 1979) . Sein humusarmer dünner Bleichhorizont und eine schwache Rohhumusauflage bilden das Anfangsglied in der Entwicklung zum Podsol.

Anmoorgleye besitzen einen Auflagehorizont mit 15 -30% organischer Substanz, wobei die oberste Schicht, je nach Höhe des Grundwassers, in trockenen Zeiten Luftkontakt hat und oxidiert, oder aber ganzjährig naß ist. Die Schichten, die an über 300 Tagen im Jahr naß sind, werden als vom Grundwasser beeinflußte Reduktionshorizonte bezeichnet (BODENKUNDLICHE KARTIERANLEITUNG 1982).

Im Untersuchungsgebiet sind zum überwiegenden Teil nährstoffarme, meist steinige und grobkörnige Sandböden zu finden, die zu Podsolen und Podsolbraunerden ausgebildet sind (NIEDERSäCHSISCHES LANDESAMT FüR BODENFORSCHUNG 1978) . Im Sommer sind die Böden trocken bis sehr trocken, da sie grundwasserfern liegen und ihre Wasserkapazität nur gering ist. Es existieren aber auch zwei Wildäcker, wo erhöhte Feinbodenanteile den Oberboden etwas bindiger machen und die Wasserkapazität erhöhen. Das im südlichen Teil liegende Möhrer Moor dagegen ist stark grundwasserbeeinflußt und das ganze Jahr über feucht bis naß, so daß sich hier Anmoorgleye entwickeln konnten (NIEDERSäCHSISCHES LANDESAMT füR BODENFORSCHUNG 1978).

MEYNEN (1962) gibt den Flurabstand des Grundwassers noch bei 40-70 m für die grundwasserfernen Flächen an. Über das Untersuchungsgebiet hinaus ist die Lüneburger Heide seit 1984 jedoch durch die großen Wasserentnahmen der Hamburger Wasserwerke betroffen, die eine Senkung des Grundwassers zur Folge hatten (BRUNS 1991 ).

KOßMANN (1994) beschreibt u.a. die physikalischen Veränderungen des Bodens auf der militärischen Übungsfläche der Roten Fläche II. Seine Ergebnisse sind durch die Nähe der beiden Untersuchungsgebiete Rote Fläche I und II, die ähnlichen abiotischen und biotischen Verhältnisse und die gleiche militärische Nutzung (intensive Panzerbefahrung) vergleichbar.

Die regelmäßige Befahrung mit bis zu 80 Tonnen schweren Kettenfahrzeugen hat zu einer Kompression des Sandbodens zwischen 10 und 25 cm Bodentiefe und damit zu einer erhöhten Lagerungsdichte der Mineralkörner geführt. Eine Erhöhung der Lagerungsdichte kann auf sandigen Böden bis zu einem bestimmten Grad Vorteile für das Wurzelwachstum bringen, weil sich die Zahl der schnell dränenden Grobporen verringert. Das Wasser fließt dadurch langsamer und ist damit länger pflanzenverfügbar. Die auf den Panzertrassen der Roten Fläche II gefundenen Lagerungsdichten überstiegen weit den Wert von >1,75g/cm³, ab dem man Sandböden als mechanisch verdichtet bezeichnet, so daß Wurzeln in ihrem Tiefenwachstum behindert werden und Bodenwasser gestaut wird. Zu einer Verdichtung in dieser Schicht führte zusätzlich die hohe Vibration der Kettenfahrzeuge (Rüttelverdichtung). Allein der hohe Skelettanteil der Steinsohle gibt der vertikalen Wasserbewegung eine Chance (KOßMANN 1994 ).

Die oberen Bodenhorizonte (bis ca. 10 cm Bodentiefe) wurden regelmäßig durch den Kettenauftrieb der Panzerfahrzeuge aufgewühlt und aufgelockert. Dadurch erhöhte sich der Anteil an Grobporen, in denen dränbares Wasser fließt. In ihnen wird Wasser nur schwach gebunden, so daß mit einer erhöhten Evaporation zu rechnen ist. Vorhandenes Bodenwasser ist dadurch oft nur kurze Zeit pflanzenverfügbar. Dieser Wasserstreß wirkt sich schlecht auf die Keimung und das Wachstum von Pflanzen aus. Trocknen solche Sandböden im Sommer völlig aus, kommt es zu einem Bodenabtrag durch Wind. Zusätzlich ist gerade die oberste Bodenschicht durch Wassererosion gefährdet. Bei Regenfall wird das Wasser von tieferen Bodenschichten gestaut. Das Oberflächenwasser bildet mit der lockeren Sandschicht eine breiige Masse (Verschlämmung), die nur lateral abfließen kann. Gleichzeitig werden die geringen Humusanteile ausgewaschen.

Beide Phänomene, die mechanische Verdichtung des Sandbodens in tieferen Bodenschichten und die Auflockerung der obersten Schicht, konnten auch auf geringer belasteten Flächen im abgeschwächten Maße festgestellt werden.

Die Nährstoffgehalte der auf der Roten Fläche II untersuchten Böden war gering, einziges Mangelelement war Phosphor, welches für die Pflanzenkeimung eine wichtige Rolle spielt. Die Hauptstickstoffquelle stellte die Niederschlagsdeposition dar.

Bild einer Erosionsrinne

Abfließendes Wasser erzeugte auf vegetationsfrei gefahrenen Abhängen Erosionsrillen.



Bild einer stark befahrenen Böschung

Durch Panzerbefahrung wellig und vegetationsfrei gefahrenens Gebiet.


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