1.1. Gefäßpflanzen
Die Gefährdungskategorie von Arten der Roten Liste
für Niedersachsen (Garve 1993) wurden in der Artenliste mit angeführt.
Zusätzlich wurden Häufigkeitsangaben für die im Untersuchungsgebiet
gefundenen Gefäßpflanzen angegeben (s. Kap. C 4.). Arten, die durch
Anpflanzung oder Verschleppung standortsfremd wuchsen, bzw. die als Kulturpflanzen
angesät wurden, sind in der Artenliste mit einem Sternchen gekennzeichnet und
falls vorhanden, wurde die zugehörige Gefährdungskategorie in Klammern
gesetzt. Bei der Besprechung und Vorstellung der gefährdeten bzw. selteneren
Pflanzen wurden sie nicht berücksichtigt. Hauptsächlich wurden diese Pflanzen
an der Alten Landstraße, auf dem künstlich angelegten Wall nördlich des
Teiches IX, innerhalb Erosionsschutzpflanzungen und auf zwei Wildäckern gefunden.
Die Bäume Alnus incana, Prunus serotina und Pinus mugo, die häufiger als
Erosionsschutz im Untersuchungsgebiet angepflanzt wurden, sind als standortfremd zu
bezeichnen. Eine Ausbreitung von Prunus serotina im Untersuchungsgebiet konnte
beobachtet werden (s. auch Hanstein et al.), während Alnus incana nur in
den Anpflanzungen als Jungpflanze nachwuchs.
Von den in der Roten Fläche I vorkommenden
Gefäßpflanzen gelten im Flachland 10 als gefährdet (ca. 4 %),
Illecebrum verticillatum als stark gefährdet (ca. 0.5 %) und Botrychium lunaria als
vom Aussterben bedroht (ca. 0.5 %).
Sechs der gefährdeten Arten befinden sich im Möhrer
Moor: Drosera rotundifolia, D. intermedia, Vaccinium oxycoccus, Narthecium
ossifragum, Scirpus cespitosus ssp. germanicus und Rhynchospora alba.
Als Kenn- und Differentialarten des Oxycocco-Sphagnetea bzw. des Scheuchzerio-
Caricetea nigrae sind die Fundorte standorttypisch für diese Arten. Als typische
Elemente bzw. Relikte der Heide-Kulturlandschaft anzusehen sind Juniperus communis,
Viola canina, Genista pilosa und Filago minima, in geringen Häufigkeiten
gefunden in lichten Kiefernwäldern, Heiden und ruderalisierten Sandtrockenrasen
(s. unten).
Folgende Arten konnten von der Nutzung der Roten Fläche I
als Panzerübungsplatz profitieren: Nymphea alba verdankt sein Vorkommen
den künstlichen Gewässern mit Flachwasserbereichen, die im Laufe des
Übungsbetriebes als Erosionsfallen angelegt wurden. Juncus filiformis,
Illecebrum verticillatum und versprengte Vorkommen von Corrigiola litoralis
wurden auf durch Befahrung verdichteten, gelegentlich staunassen und offenen
Sandböden gefunden.
Besonders interessant war der Fund von Botrychium lunaria.
Sie gilt als eine Art der trockenen Wiesen, Halbtrockenrasen, Magerrasen und -weiden,
bevorzugt in Nordlagen. Außerdem findet sich die lichtliebende Pflanze an Wegrainen,
Böschungen und in sehr offenen Wäldern. Sie bevorzugt mäßig
trockenen bis mäßig frischen, oft sauren, humosen und sandigen Lehmboden
(Hegi 1984).
Botrychium lunaria ist nach Hegi (1984)
eine schwache und nach
Ellenberg et al. (1991) eine Charakterart der Nardetalia. In den letzten Jahrzehnten sind
vor allem in der Ebene viele Standorte von der Echten Mondraute erloschen
(Haeupler und Schönfelder 1988), nach
Ellenberg (1991) befindet sie sich
auch weiterhin im Rückzug. Dies spiegelt sich auch in der hohen Gefährdungsstufe
für die Art im Niedersächsischen Flachland wieder.
Im Untersuchungsgebiet wurden drei Individuen der
konkurrenzschwachen Pflanze in lückigeren Bereichen einer extensiv genutzten
Mähweide (Aufn. 41, Tab. 6) gefunden. Da sie stickstoffärmste bis stickstoffarme
Standorte besiedelt (Ellenberg et al. 1991), ist eine Nutzungsänderung z. B. durch
Düngung zu vermeiden. Eine Intensivierung könnte zum Verschwinden des
Bestandes führen. Da sie in Vegetationslücken gefunden wurde, dürften
herbeigeführte leichte Bodenverletzungen ihre Standortvorteile erhöhen, indem
eventuell vorhandene, tiefer gelegene Samen aus dem Diasporenvorrat im Boden dabei
nach oben geführt werden, die auf den offenen Stellen des Bodens zunächst
konkurrenzfreie Bereiche erhalten. Aufgrund der Symbiosebeziehung von Botrychium
lunaria mit einem bisher unbekannten Pilz (Düll und Kutzelnigg 1992 ) ist es oft zu
beobachten, daß nach trockenen Frühjahren ihr Erscheinen völlig
ausbleibt (Hegi 1984). |