| 7.3. Initial- und Rasengesellschaften der Klassen Koelerio-Corynephoretea und Molinio-Arrhenateretea
 In zentralen Bereichen der Roten Fläche I befinden sich verschiedene Flächen, die (fast)
völlig vegetationsfrei sind (Abb. 49-50). Hier war die Panzerbefahrung bis ins Jahr 1994 besonders stark und
regelmäßig.
 Auf anderen Gebieten, die seit dem Abzug der Briten nicht mehr befahren wurden, konnten die
ersten Pflanzen wieder "Fuß fassen" (Aufn. 58-61 und Abb. 51).
Agrostis capillaris
Ein Teil der Aufnahmen in Tabelle 7.3 beschreiben Agrostis capillaris-Gesellschaften
auf ehemals stark befahrenen Flächen, die aber schon seit einigen
Jahren "stillgelegt" wurden (Aufn. 62-67, Abb. 52). Auffällig im Untersuchungsgebiet ist die meist
großflächige, rasenhafte Ausbreitung dieser ausdauernden Bestände auf dem ehemaligen
Panzerübungsplatz,
für den sie jetzt charakteristisch sind. Bis zu der militärischen Nutzung waren diese Gebiete fast ausnahmslos
Heideflächen (Hanstein et al. 1993).
Die in den Aufnahmeflächen (s. Tab.7.3.) gemessenen pH-Werte reichen von "sehr stark
sauer" über vorwiegend "stark sauer" bis "mittel sauer". Der Feinboden läßt
sich für einen Teil der Aufnahmen in Gruppe "lehmiger Sand" einordnen (Aufn. 64-67), der andere Teil in die
Gruppe "schluffiger Sand" (Aufn. 59-62, 68, 69). Die fast völlig vegetationsfreie Aufn. 13 wurde auf "Sand"
gemacht.
In Tab. 7.3. sind die Aufnahmen auf ehemals stark befahrenen Panzerpisten zu finden (Aufn. 58-70).
Die Aufnahmen 58-59 geben eine Besiedlungsphase (Initialgesellschaft) vor allem mit Pinus sylvestris,
Spergula morisonii und Polytrichum piliferum auf nackten Sandboden wieder, aber auch Agrostis capillaris
ist sporadisch vertreten. Die Deckung der Vegetation ist mit <1 und 5 % noch ausgesprochen dünn. Aufnahme 59 wurde
in einer etwas tiefer gelegenen Fahrspur gemacht. Die Anwesenheit von Juncus squarrosus deutet hier auf Wechselfeuchte
hin. Aufn. 58 wurde auf einer im Vergleich vermutlich etwas trockeneren und höher liegenden Panzerpiste gemacht.
Beide Aufnahmen lagen nur wenige Meter von Kiefernforsten entfernt. Obwohl Spergula morisonii eine Assoziationskennart
des Spergulo-Corynephoretum canescens ist, wurden diese Aufnahmen mit in Tab. 7.3. gestellt, da
Corynephorus canescens fehlt und eine spätere, flächendeckende Besiedlung von Agrostis capillaris
vermutet wird.
Durch einen hohen Deckungsanteil (bis zu 15%) von Rumex acetosella werden die Aufn. 60 und 61
charakterisiert. Deschampsia flexuosa ist in Aufn. 60 die nächsthäufigere Art. In Aufn. 61 hat Agrostis capillaris
einen höheren Deckungsanteil als der Kleine Sauerampfer. Trotzdem werden diese Aufnahmen zusammengestellt, weil sie
einen besonders nährstoffarmen und sauren Standort kennzeichnen und werden hier als Initialgesellschaften mit
Rumex acetosella bezeichnet.
Agrostis capillaris-Fragmentgesellschaften werden von Pott (1995) zum Plantagini-Festucion
ovinae-Verband in der Ordnung der Sandsteppengesellschaften, dem Festuco-Sedetalia gestellt. Damit charakterisiert
er dichte Bestände des Roten Straußgras an Feldwegen in norddeutschen Sandlandschaften. Im Untersuchungsgebiet
wurden Bestände von Agrostis capillaris als weit ausgedehnte Rasen auf den ehemals befahrenen
Panzerfahrplätzen als auch ruderalisiert an Wegrändern gefunden.
Dominierend ist in den Aufnahmen 62-65 Agrostis capillaris mit Deckungen zwischen 60 und
90 %. Sporadisch sind Pflanzen trockener und armer Standorte wie Polytrichum piliferum und Rumex acetosella
vertreten. Doch auch Feuchtezeiger wie z.B. Molinia caerulea und J. squarrosus sind in drei der Aufnahmen vereinzelt
vertreten. Aufn. 62 und 63 beherbergen einige wenige Heidearten (Calluna vulgaris, Deschampsia flexuosa), in Aufn. 65
ist der Anteil von Calluna größer (bis zu 15 %), in Aufn. 64 der von Deschampsia flexuosa (bis zu 25 %).
Insgesamt werden sie noch zur Agrostis capillaris-Gesellschaft mit unterschiedlich stark ausgeprägter
Calluna-Gruppe geordnet, weil die Deckung von Agrostis capillaris am höchsten ist.
 In den Aufn. 66 und 67 gehen die Anteile von dem Roten Straußgras stark zurück und
typische Calluna-Arten treten hervor. Calluna vulgaris erreicht hier Deckungen bis zu 25% und damit z.T.
höhere Deckungen als das Rote Straußgras. Weil es sich um ehemals stark befahrene Panzerpisten
handelt, die zu dem Zeitpunkt weitestgehend vegetationsfrei waren und keine Heidevegetation mehr enthielten, sollen sie in
diesem Kapitel aufgeführt werden (s. auch Abb. 53). Aus diesen Aufnahmen kann eine natürliche Regeneration
der Besenheide auf Rasengesellschaften beobachtet werden. Auffällig ist das starke Vorkommen von
Molinia caerulea. In Aufn. 66 sind besonders junge Pflanzen von Calluna vulgaris vertreten, die noch
keine hohe Deckung einnehmen, hingegen enthält die Aufn. 67 schon ältere Heide.
Deschampsia flexuosa-Gesellschaften (Aufn. 68-69) mit Deckungen der Drahtschmiele
von 25-75 % und geringen Agrostis capillaris-Anteilen sind angrenzend zu Heideflächen und
Straußgras-Rasen gefunden worden. Diese Drahtschmielenrasen sind nicht als Abbaustadien von Heidegesellschaften
zu verstehen, vielmehr als "Vorstadien", denn auch diese Flächen befinden sich auf durch ehemals starke
Befahrung vegetationsfrei gefahrenen Flächen (s. Diskussion). Diese beiden Aufnahmen enthalten auch wieder
häufiger Rumex acetosella.
Einen kleinen Bestand von Juncus filiformis auf stark befahrenen Flächen gibt Aufn. 70 wieder).
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