Vegetationsstudie in der Lüneburger Heide

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Zu den natürlichen Standorten der Zwergstrauch-Gesellschaften und Borstgrasrasen zählen die Binnendünen, Felsen, Moore, Graudünen im Küstenbereich sowie xerotherme Vegetationstypen auf sauren, nährstoffarmen Böden. Von diesen Orten weiteten sie sich seit der Bronzezeit anthropo-zoogen aus. In der Subalpin- und Montanstufe der Mittelgebirge und in den Geestgebieten Nordwestdeutschlands findet man Zwergstrauchgesellschaften der Klasse Calluno-Ulicetea. Als klassentypische Standortsfaktoren sind zu nennen: niedrige pH-Werte, geringe Nährstoffreserven der Böden, insbesondere an Calcium und Nitrat, ungehinderte Sonneneinstrahlung und anthropogene Einflüsse wie Beweidung, Brand und Mahd (Oberdorfer 1993).

Die Sandginsterheide Genisto anglicae-Callunetum ist eine Assoziation des Calluno-Ulicetea, deren Hauptverbreitung im eu-atlantischen Gebiet Nordwestdeutschlands liegt. Ihre ursprünglichen Primärstandorte befinden sich an Felsbändern und in silikatischen Xerothermvegetationskomplexen atlantisch-subatlantischer Regionen (Pott 1995). Früher erreichte sie durch die Heidewirtschaft als Ersatzgesellschaft des Quercion roboris und des Luzulo-Fagetum sekundär eine großflächige Ausweitung. Nach Beendigung menschlicher Einflußnahme erfolgt eine Sukzession, welche in den meisten Fällen über ein Birkenstadium zum Wald führt.

Das Genisto anglicae-Callunetum besitzt folgende Assoziationskennarten: Genista pilosa, G. anglica, Cuscuta epithymum und Hypnum jutlandicum. Es ist oft fragmentarisch ohne Assziationskennarten entwickelt. Buchwald (1940) beschreibt die trockene Ausbildung als Calluneto-Genistetum typicum.

Der Ordnung Nardetalia strictae sind die Borstgrasrasen zugeordnet, deren Bestände oft artenarm sind und deswegen ranglose Gesellschaften bilden. Ihre Primärvorkommen befinden sich auf silikathaltigen Böden in der subalpinen Stufe, an Moorrändern in der Montanstufe sowie an wechselfeuchten Niedermoorrändern der Ebenen. Die heutige Verbreitung der Borstgrasrasen hängt stark mit der früheren Extensivwirtschaft (z.B. Hude) zusammen (Hüppe 1993).

Folgende Beobachtungen sind im Untersuchungsgebiet gemacht worden: Die Heideflächen der Aufnahmen 92, 95, 86 und 85 liegen im südlichen Teil (bis zur Alten Landstraße) des Untersuchungsgebietes und nehmen ausgedehnte Flächen ein (s. Vegetationskarte im Anhang). Sie werden beweidet und sind dementsprechend niedrigwüchsig. Zusätzliche Pflegemaßnahmen bestehen aus Mahd und Entkusselung (Lüttkepohl mdl. 1996). Beobachtete Verjüngung erfolgte nur über Stockausschläge. Der Heidestreifen südlich der Landstraße 171 ist teilweise vergrast, wie die Aufn. 95 und 96 belegen. Die verbleibenden Aufnahmen mit hohen Calluna-Deckungen sind ungepflegte kleinere Bestände, hauptsächlich im nördlichen Teil. Ausnahmslos drohen diese ungepflegten Flächen zu verbuschen. Allein in den Aufnahmen 88 und 91 konnte eine regenerative Verjüngung beobachtet werden. Schmale Calluna-Randstreifen wurden häufig an Waldrändern gefunden, aber nicht mit Aufnahmen belegt. Abb. 24 zeigt Schäden an Calluna-Beständen, die die starke Dürre im Untersuchungszeitraum bewirkt hat, Tabelle 8.

Auffällig für die Aufn. 89-93 ist die Vermoosung mit Hypnum jutlandicum. Die Beobachtung von Pott (1995), daß die Voraussetzung für eine Kryptogamenschicht eine lückige Heidedecke ist, kann zumindest für die im Untersuchungsgebiet vorgenommenen Aufnahmen nicht mit der Krautschichtdeckung korreliert werden (s. Abb.25). Auch bei Krautschichtdeckungen von 97% und 95% konnten Kryptogamen Deckungen von 10% erreichen. Dabei nimmt das Moos Hypnum jutlandicum den Hauptanteil ein, während die Flechten nur bei geringen Deckungen von unter 5% blieben. Buchwald (1940) stellt eine Vermoosung von Heide bei älteren und geschlossenen Flächen fest, während junge und ungeschlossene Heidebestände viele Flechten enthalten. Bei lückiger, überalteter Heide sind die Nutznießer des Lichtes Flechten und Moose, die auch bei vollwüchsiger und dichtbeblätterte Heide vorkommen, aber nicht in so hohen Deckungen. Die Vorkeime der Moose brauchen zur normalen Entwicklung größere und gleichmäßige Feuchtigkeit und diese ist erst im Schatten älterer Heidesträucher gewährleistet (Ellenberg 1986). Auch die gepflegten Bestände weisen im Untersuchungsgebiet z.T. Deckungen von Hypnum jutlandicum bis zu 15 % auf.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist in dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide trotz Pflege eine Vergrasung mit Nardus stricta, Molinia caerulea und vor allem Deschampsia flexuosa beobachtet worden (Pott 1995). Hierfür werden in erster Linie atmosphärische Stickstoffdepositionen verantwortlich gemacht. Hinzu kommt aber sicherlich auch, daß eine optimale Pflege äußerst kostenintensiv ist und nicht im ausreichendem Maß vorgenommen werden kann. Eine extensive landwirtschaftliche Nutzung mit Beweidung, Plaggung, Brand und Mahd sind die essentiellen Bedingungen für die ständige Verjüngung und Ausbreitung der Heide auf Kosten des Waldes. Dabei spielen die Nutzungszeiträume und spezifischen Betriebsformen des typischen norddeutschen Heidebauerntums eine wichtige Rolle, die einen ausreichenden Nährstoffaustrag gewährleisten kann. Das Phänomen der Vergrasung mit Deschampsia flexuosa und Nardus stricta zeigt sich auch für den Heidestreifen südlich der Landstraße 171 (Aufn. 94 und 95). Sollten diese mosaikartig in den Heideflächen gelegenen Bestände sich ausbreiten, müssen zusätzliche Pflegemaßnahmen in die Wege geleitet werde. Lindemann (1984) empfiehlt bei hartnäckiger Vergrasung tiefe Mahd, so daß der Diasporenvorrat der Gräser und die Nährstoffe der Humusschicht ausgetragen werden. Calluna vulgaris bildet eine ausdauernde Samenbank aus (Gimmingham 1972), die auch in tieferen Bodenschichten noch keimfähige Samen enthält. Besonders gut regeneriert sich die Heide generativ als auch vegetativ über Stockausschläge, wenn die tiefe Mahd bis zum Ah-Horizont reicht, also bis zum Mineralboden, der durch feine Humusbestandteile angereichert ist und wenn der Boden durch die Mahd etwas aufgerissen wird (Lütkepohl 1993). Auf einer Humusdecke kann die Calluna-Heide zwar keimen, aber sich nicht zur ausgewachsenen Pflanze entwickeln (Ellenberg 1986). Auf bloßgelegtem Mineralboden hingegen ist die Verjüngung der Heide gut. Eine Humusdecke trocknet verhältnismäßig schnell aus, es sei denn, dichtflächig aufwachsende Moose sind vorhanden, die das Wasser halten. Im direkt darunter liegenden Sand ist die Wasserversorgung besser. Deswegen ist eine generative Vermehrung der Heide nach Plaggenhieb, aber auch Brand, so gut möglich, da durch diese Maßnahmen die Rohhumusdecke beseitigt wird (Heinemann 1956).

Ob sich die gepflegten Heideflächen, wie beobachtet, überhaupt nicht mehr generativ verjüngen, kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Jungpflanzen wurden nur sporadisch auf Stockausschläge bzw. generativer Regeneration untersucht. Als zusätzliche Pflegemaßnahme durch Mahd und Beweidung könnte Brand hinzugezogen werden, der sich positiv auf die Regeneration der Heide auswirkt (Mirsch 1995, Lütkepohl 1993). Das Heidebrennen selbst wirkt keimungsfördernd. Whittaker und Gimmingham (1962) konnten feststellen, daß Samen, die eine Minute lang Temperaturen von 40-80°C, bzw. eine halbe Minute Temperaturen von 80-120°C ausgesetzt waren, besser aufliefen. Bei rasch laufendem Feuer werden diese Temperaturen nur selten überschritten. Erst bei 200°C werden die Samen getötet. Nach Bränden keimt auch Nardus stricta sehr reichlich, kann sich aber nicht gegenüber von Calluna vulgaris durchsetzen (King 1960). Aber auch der für Calluna vulgaris förderliche Austrag von Nährstoffen wird durch Brand bewirkt. Dabei ist es laut Muhle (1974) in erster Linie der Rauch, der die Nährstoffe austrägt und nicht die Auswaschung der mineralisierten Nährstoffe.

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