10. Regeneration der Calluna-Heide
In diesem Kapitel wird die Diskussion zur Regeneration der Calluna-Heide auf der
Roten Fläche I der im Teil F besprochenen Kapitel 7.1, 7.2, 7.3 und 8 zusammengefaßt:
Eine Verjüngung von Calluna vulgaris innerhalb des Genisto-Callunetum
pilosae wurde fast nur über Stockausschläge beobachtet (Teil E, Kap. 8). In zwei Aufnahmen
( Aufn. 88 und 91) erfolgte auch eine generative Verjüngung der Heide. Um eine Überalterung
der Heideflächen zu vermeiden, sollten zusätzlich zu den bisherigen Pflegemaßnahmen
wie Beweidung, Mahd und Entkusselung, ergänzende Maßnahmen wie Brand und Plaggenhieb
in Erwägung gezogen werden (Teil F, Kap. 8).
Innerhalb der großflächig vorzufindenen Agrostis capillaris-
Rasen fand eine generative Regeneration der Besenheide auf den Flächen statt, die benachbart
zu intakten Heidebeständen lagen (Teil E und F, Kap.7.3). Die Verbreitung der Diasporen erfolgte
vermutlich hauptsächlich durch Anflug in den windigen Herbstmonaten und im Winter über die
glatten Eisflächen (Lütkepohl 1995 mdl.; Ellenberg 1986). Feuchtere Standorte mit Molinia
caerulea wirkten günstig auf die Keimung von Calluna vulgaris, denn dort wurden viele
Jungpflanzen gefunden. Eine Regeneration der Besenheide auf vorher vegetationsfrei gefahrenen
Flächen erfolgte nach diesen Beobachtungen erst dann, nachdem sich eine lückige
Rasendecke gebildet hat. Eine Setzung der obersten Sandschichten und die Ausbildung eines humosen
Mineralbodenhorizontes (Ah) sorgten für ausreichend Feuchtigkeit im Oberboden und lieferten so
günstige ökologische Bedingungen für eine Verjüngung der Heide. Inwieweit
Mykorrhiza auf eine Neubesiedlung von Calluna vulgaris eine Rolle spielt, konnte nicht festgestellt werden.
Innerhalb kleinflächig vertretener Gesellschaften findet man eine
Regeneration der Calluna-Heide z.T. im Racomitri-Polytrichetum und Spergulo vernalis-
Corynephoretum. Innerhalb der Polytrichum piliferum-Gesellschaft wirkte sich vermutlich der
verdichtete Oberboden und die Ansammlung von Humus positiv auf das Wachstum der Besenheide
aus. Drehwald und Preising (1991) beobachteten bei Humusansammlung eine Verdrängung
des Racomitri-Polytrichetum durch Zwergstrauchgesellschaften als auch ein paralleles Gedeihen.
Zwergstrauch- und Sandtrockenrasengesellschaften gelten als Kontakt- und Folgegesellschaften
des Spergulo-vernalis-Corynephoretum canescentis (Oberdorfer 1992). Da Agrostis capillaris
in den Silbergrasfluren der Roten Fläche I ein steter Begleiter ist, wird eine Weiterentwicklung
zum Agrostis capillaris-Rasen vermutet, in dem dann durch Anflug von Diasporen aus benachbarten
Heidebeständen eine Sukzession zu einer Heidegesellschaft eingeleitet wird (Pott 1995).
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