Vegetationsstudie in der Lüneburger Heide

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3. Stellarietea mediae

Die zwei Wildäcker im Untersuchungsgebiet befinden sich in Privatbesitz. Beide wurden auf der Schneverdinger Endmoräne angelegt, die zumindestens z. T. Geschiebelehm im Unterboden enthält, so daß von nährstoffarmen, aber nicht nährstoffärmsten Verhältnissen ausgegangen werden kann. Der hohe Deckungsgrad der Begleitflora (> 10%) läßt auf eine herbizidfreie bzw. -arme Bewirtschaftung schließen. Tabelle 3

Wildacker I (Aufn. 27) wird besonders extensiv betrieben. Die Deckung der Kulturart, Raphanus sativus, erreicht nur bis zu 15 %. Als ehemalige Kulturpflanze ist der Fund von Linum usitatissimum interessant. Der Anbau der Sonderkulturen Lein und Buchweizen ist spätestens Mitte dieses Jahrhunderts fast vollständig aufgegeben worden, so daß einige Vertreter ihrer spezifischen Ackerwildkrautflora damit verlorengegangen sind (Pott 1995). Die rasenhafte Ausbreitung von Agrostis capillaris (Deckung bis zu 62.5 %) hängt vermutlich mit der geringen Deckung der Kulturart zusammen. Der stark saure pH-Wert läßt auf fehlende bzw. sparsame Düngung schließen. Sporadische Vorkommen von Rumex acetosella, Spergula morisonii und Holcus mollis, Hypochoeris radicata, Lotus corniculatus als Vertreter fast stickstoffärmster bzw. stickstoffarmer Standorte (Ellenberg 1991) weisen diesen Standort als besonders nährstoffarm aus. Auch das in hohen Deckungen wachsende Süßgras Agrostis capillaris zeigt nicht einmal mäßig stickstoffreiche Bedingungen an. Arndt (1956) erwähnt Rotstraußgrasfluren als typische Charaktergesellschaften der Niederlausitz, die sich u. a. auf Winterroggenfeldern nach der Mahd und auf Brachefeldern entwickeln. Allein das zu höheren Deckungen gelangende Trifolium repens (bis zu 15 %) ist auf fast stickstoffreichen Standorten häufiger und könnte angesät worden sein, um den Boden aufzubessern.

Der schon schwach alkalische pH-Wert von Wildacker II (Aufn. 28) läßt auf bessere Nährstoffverhältnisse, vor allem durch Düngung, schließen. Mit Stellaria media, Tripleurospermum perforatum, Poa trivialis u.a. sind ausgeprochene Stickstoffzeiger häufiger vertreten (Ellenberg 1991). Allein das gelegentliche Vorkommen von Rumex acetosella läßt auf einen ursprünglich sehr stickstoffarmen und sauren Boden schließen. Vermutlich ist auch dieser Acker durch Gründüngung aufgebessert worden, die mit Leguminosen wie Trifolium repens und der Kulturpflanze Pisum sativum vorgenommen wurde. Auf Staunässe durch oberflächige Verdichtung deutet Poa trivialis (Pott 1995). Häufiger Fruchtwechsel findet auf Wildacker II statt. Als eine der vorjährigen Kulturarten ist auch Buchweizen vertreten.

Auffällig für Acker II und in noch stärkerem Maß für Acker I ist das hohe Vorkommen von Hemikryptophyten (s. Abb. 15). Auf intensiv bewirtschafteten Äckern geht ihr Anteil stark zurück, während der Anteil von Therophyten überwiegt. Die Mehrzahl der mehrjährigen Arten vertragen das regelmäßige Pflügen und Hacken nicht und werden deswegen z. B. erst bei Brache begünstigt (Pott 1995). Auf extensiv genutzten Äckern fällt auch die Bodenbearbeitung nicht so intensiv aus, so daß dadurch der hohe Anteil von Hemikryptophyten zustande kommen kann.

Der Erhalt der Wildäcker I und II könnte aus naturschutzlicher Sicht wünschenswert sein, da sie den gefährdeten Raphanus raphanistrum enthalten, der hier zumindest sporadisch vorkommt. Die hohen Düngegaben auf Wildacker II könnten hier zukünftig aber zu einer Verdrängung von Raphanus raphanistrum führen, der als schwacher Säurezeiger auf basenarmen Böden zu Hause ist. Sollte auf Acker I und II weiterhin auch Lein und Buchweizen extensiv angebaut werden, könnte eine für diese Kulturarten typische und sehr seltene Begleitflora wieder eingeführt werden. Da sich diese Wildäcker in privater Nutzung befinden, sollten ihre Betreiber finanziell gefördert werden, nicht zuletzt auch, um unterstützende Pflegemaßnahmen in die Wege leiten zu können. Für den Fall sollte aber auch auf Düngung verzichtet werden, um die besonders gefährdeten Ackerwildkräuter nährstoffarmer Standorte zu begünstigen (s. auch Kulp 1993)

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