5. Trittvegtation
Die bewaldeten Teile der Roten Fläche I sind durch unzählige Wege zerschnitten.
An den von der Alten Landstraße abführenden Wegen sind häufig Müll und Gartenabfälle von
Privatmenschen ausgeladen worden, so daß hier die Vegetation stark durch anthropogene Einflüsse geprägt ist.
In der Klasse Polygono arenastri-Poetea annuae sind niedrigwüchsige, gegen
starke Bodenverdichtung und mechanische Bodenverletzung äußerst widerstandsfähige ,
einjährige Trittgesellschaften, die trockene bis mäßig frische und stickstoffreiche Substrate besiedeln
(Oberdorfer 1993). Ihre syntaxonomische Einordnung bereitet noch Schwierigkeiten; eine Zuordnung dieser
Gesellschaften innerhalb der Plantaginetalia majoris (Klasse: Molinio-Arrhenatheretea) ist zu
erwägen. Dafür sprechen die Durchdringung mit mehrjährigen Hemikryptophyten,
wie im Untersuchungsgebiet in Aufn. 37 und 38 gefunden, Tabelle 5. Besonders Aufn. 38 leitet mit Plantago major, Lolium
perenne und Juncus tenuis zu den mehrjährigen Trittgesellschaften über. Die hohe Deckung mit
Agrostis capillaris (bis zu 87.5 %) spricht eher für einen Übergang zu den Rasengesellschaften.
Dieser Weg scheint nicht besonders intensiv genutzt, so daß hier unterschiedliche Faktoren zur Ansiedlung von
Pflanzen unterschiedlicher Klassen geführt haben. Der ursprünglich relativ stickstoffarme Böden
begünstigt das Wachstum von Agrostis capillaris. In oligotrophen Trittgesellschaften gibt es nach
Oberdorfer (1993) Fragmente und Stadien mit A. capillaris und Carex leporina, die den Nardetalia zugeordnet werden. Als ausgesprochener Zeiger für stickstoffärmste Böden ist sogar Filago minima vertreten (Zeigerwerte, Ellenberg 1991). Hinzu treten die stickstoffreiche Orte anzeigenden Trittpflanzen. Ähnliches gilt für Aufn. 37 mit Poa annua in Deckungen bis zu 15 % und mit gelegentlichem Auftreten von Illecebrum verticillatum, dessen Bestände durch Stickstoffeinträge stark gefährdet sind (Pott 1995). Eine mögliche Ursache dieser Artenzusammensetzung kann darin begründet sein, daß die von außen eingebrachten Stickstoffzuträge nicht homogen verteilt sind und der Standort eine mosaikartige Stickstoffverteilung hat. Ein anderer Grund besteht sicherlich in
der lückigen (Aufn. 38), bzw. vegetationsarmen (Aufn. 37) Gesamtdeckung der Aufnahmeflächen, wo durch
Diasporeneintrag von außen Pflanzen unterschiedlichster Standortansprüche auflaufen und mangels Konkurrenz
auch auswachsen können. Die Zeigerwerte stellen kein physiologisches, sondern ökologisches Verhalten dar.
Sollte die Vegetationsdecke sich schließen, wird es zum Ausfall der schlechter angepaßten Arten kommen.
Das Prunello vulgaris-Plantaginetum majoris findet man häufig auf Mittelstreifen und an
Fahrspurrändern geschotteter und verdichteter, feuchter Waldwege (Oberdorfer 1983). Der Bestand im Untersuchungsgebiet
wurde vor Wildacker II gefunden, bis zu dem noch mit Panzern gefahren wurde, die den Unterboden verdichtet haben. Eventuell kann
diese Gesellschaft auch einen stattgefundenen Eintrag von Kalk anzeigen, da sie meistens auf kalkhaltigen Böden
wächst. Der hohe pH-Wert des Wildackers II (s. Kap. D 3.) könnte ein weiterer Hinweis sein, daß mit
kalkhaltigen Düngermitteln der Boden verbessert wurde, wobei die umliegenden Gebiete mit betroffen wurden.
Cerastium semidecandrum ist eine Kennart der Festuco-Sedetalia auf trockenen
Böden (Ellenberg 1991). In Aufn. 40 kommt sie in Deckung bis zu 15 % vor, zusammen mit Trittzeigern. Der
aufgewühlte Oberboden und der gut besonnte Standort liefern dieser Pflanze die nötigen trockenen Bedingungen,
während Verdichtungen im Untergrund zu gelegentlicher Feuchte durch Staunässe führen. Diese hat nicht
nur das Wachstum von Trittzeigern gefördert, sondern auch zu einem sporadischen Vorkommen von Illecebrum
verticillatum geführt, einer Pflanze, die Feuchtigkeit besonders für die Keimung benötigt.
Im ganzen gesehen sollte die Unzahl der Wege eingeschränkt werden, um größere
und zusammenhängendere Vegetationseinheiten zu schaffen. Auch stellt der Eintrag von Stickstoff, die häufig
vorgefundene Ausbringung von Müll und Gartenabfall eher eine Bedrohung für Pflanzen genügsamerer
Standorte dar. Das Auftreten von Illecebrum verticillatum in zwei der Aufnahmen hat seine Ursachen in der auf diesen
Wegen zumindest periodisch, auftretenden Feuchte und einem Diasporeneintrag von außen, so daß hier nicht
von einem geeigneten Standort für die Quirlige Knorpelmiere ausgegangen werden muß. Auch das Auftreten
von Filago minima in Aufn. 38 hat vermutlich andere Ursachen (besonders trockener Sommer, Diasporeneintrag).
Beide Pflanzen werden hier keinen festen Standort finden. Vielmehr sollte hier beachtet werden, daß diese Standorte
zusammen mit ihrer Umgebung ein Potential von seltenen Pflanzen beinhalten, die nicht weiter durch Militär und zu
starker Betretung gefährdet werden dürfen.
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