7.1. Spergulo vernalis-Corynephoretum canescentis
Die Frühlingsspark-Silbergras-Gesellschaft besteht aus spezialisierten Pionieren auf offenen
Flugsanden. Sie bilden artenarme, lückige Rasen auf meist humus- und nährstoffarmen, trockenen
Lockersandböden, die nur wenig Kalk enthalten und sind besonders auf der nordwestdeutschen Geest verbreitet (Pott 1995).
Auf offenen, bewegten Sandflächen erfolgt die Erstbesiedlung durch Corynephorus canescens,
einem gegenüber Übersandung unempfindlichen Gras, welches mit seinem Wurzelsystem zur Festlegung der Sande
beiträgt (Ellenberg 1986).
Laut Oberdorfer (1992) bindet Corynephorus canescens den losen Sand und ermöglicht
anderen Arten damit die Ansiedlung. Auch die Assoziationskennart Spergula morisonii ist übersandungsunempfindlich
und mit Rumex acetosella, einem typischen Begleiter (Oberdorfer 1992), und Agrostis capillaris wandert sie in die
Silbergrasgesellschaft ein (Aufn. 44-48), Tabelle 7.1. Es handelt sich um eine recht kurzlebige Gesellschaft, auf Lockersanden meist aus
3-6 Arten bestehend (Oberdorfer 1992). Das Auftreten von Juncus squarrosus kennzeichnet Aufn. 46 als wechselfeuchten
Standort, vermutlich durch Befahrung verdichteten Unterboden.
Bei Aufn. 49-52 scheint die Besiedlung weiter fortgeschritten, die Artenzahl steigt von durchschnittlich
5 auf 9 Arten. Das mit z. T. recht hohen Deckungen vertretene Moos Polytrichum piliferum weist diese Standorte als schon
gesetztere Sandböden aus. Laut Ellenberg (1986) ist Polytrichum piliferum häufiger auf verdichteten
Oberboden zu finden. Die Aufn. 51 und 52 enthalten Polytrichum piliferum bis zu 15 % und Corynephorus canescens
in den hohen Deckungen bis zu 62.5 und 75 %, so daß hier gute Wachstumsmöglichkeiten für beide vorherrschen.
Laut Oberdorfer (1992) ist Polytrichum piliferum ein typischer Begleiter des Spergulo vernalis-Corynephoretum canescentis.
Auffällig sind für Aufn. 52 die Feuchtezeiger Molinia caerulea und Atrichum undulatum. Da es sich um
eine Panzerfahrspur handelt, ist vor allem der Unterboden verdichtet, der Staunässe herbeiführt.
Ob sich die in einem Großteil der Aufnahmen gefundenen Jungpflanzen von Pinus sylvestris
und Betula pendula etablieren können, konnte im Untersuchungszeitraum nicht geklärt werden
Als Kontakt- und Folgegesellschaften kommen laut Oberdorfer (1992) Calluna-Heide und Sandtrockenrasen
in Frage. Agrostis capillaris ist für die auf der Roten Fläche I gefundenen Silbergrasfluren ein steter Begleiter,
so daß hier eine Weiterentwicklung zum Agrostis capillaris-Rasen vermutet werden kann. Als weitere abbauende
Arten führt Oberdorfer (1992) an: Pinus sylvestris, Hypochoeris radicata und Deschampsia flexuosa,
Hemikryptophyten, die auch in einem Großteil dieser Aufnahmen gefunden wurden und damit einen Übergangszustand
charakterisieren. Auch Pott und Hüppe (1991) vermuten, daß oftmals die Tieflandginsterheiden auf konsolidierten
Flugsandböden aus Altersphasen des Spergulo-Corynephoretum entstehen, wobei zunächst Rumex acetosella,
Agrostis vinealis und Festuca tenuifolia dicht geschlossene Rasen bilden, in die Nardus stricta, Calluna vulgaris
und Deschampsia flexuosa eindringen. Anflug aus unmittelbar benachbarten Heidebeständen leiten in der Regel
die Sukzession ein. So ein Prozeß läßt sich derzeit noch gut in den intakten Hudelandschaften
Nordwestdeutschlands und in ehemaligen Truppenübungsgebieten der Lüneburger Heide beobachten
(Pott 1995). Im Untersuchungsgebiet ist eine Durchdringung der Silbergrasfluren mit Rumex acetosella, Deschampsia flexuosa
und vor allem Agrostis capillaris zu beobachten.
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