7.2. Racomitri-Polytrichetum
Die von Drehwald und Preisung (1991) beschriebene Assoziation Racomitri-Polytrichetum
piliferi ist in ganz Europa in lückigen Zwergstrauchheiden, Borstgrasrasen, Silbergrasfluren, auf Graudünen und in
lichten Sand-Kiefernwälder verbreitet. Sie besiedelt als Pioniergesellschaft saure und trockene Sand- und Kiesböden.
Diese Gesellschaft ist häufig nur fragmentarisch ohne Racomitrium canescens ausgebildet, so daß das Fehlen
dieses Mooses syntaxonomisch nicht überbewertet werden muß.
In ihrer Artenzusammensetzung zeigt die Polytrichum piliferum-Gesellschaft einige Gemeinsamkeiten
zu der im vorigen Kapitel besprochenen Assoziation Spergulo vernalis-Corynephoretum canescentis. Zwei der
Silbergras-Gesellschaften enthalten Polytrichum piliferum in Deckungsanteilen bis zu 15 %. Das in diesem Kapitel
besprochene Racomitrio-Polytrichetum piliferi enthält das Polytrichum piliferum in Deckungsanteilen ab 37.5 %
aufwärts und dominiert in allen Aufnahmen. Dieses Kriterium ist als Zuordnung zum Racomitrio-Polytrichetum piliferi
letztendlich ausschlaggebend gewesen. Besonders schwierig in der Einordnung erwies sich die Aufn. 53 mit Corynephorus
canescens-Anteilen bis zu 25 %. Es könnte auch als Altersstadium des Spergulo vernalis-Corynephoretum
canescentis in jenem Kapitel besprochen werden. Drehwald und Preising (1991) erwähnen das Silbergras als
typischen Begleiter. Als weiteres Unterscheidungskriterium tritt aber das völlige Fehlen von Spergula morisonii
in diesen Aufnahmen hinzu, so daß die ökologischen Bedingungen für diese Gesellschaft anders ist.
Während in der Silbergrasgesellschaft die Pflanzen mit Übersandung und leicht verwehbarem Untergrund fertig
werden müssen, hat sich hier der Boden nicht nur gesetzt, sondern war auch auffällig hart. So ein Boden ist
nicht mehr gefährdet, abgetrieben zu werden, und bietet besonders Polytrichum piliferum optimale
Lebensbedingungen (Ellenberg 1986). Eine Gemeinsamkeit zum Spergulo vernalis-Corynephoretum canescentis
besteht aber in dem ebenso zur "Übersandungsfreundlichkeit" neigenden Moos Polytrichum piliferum.
Ob jede Aufnahme dieser Polytrichum piliferum-Gesellschaft als Folgestadium eines Spergulo vernalis-Corynephoretum
canescentis gewertet werden könnte, kann mit diesen Aufnahmen nicht belegt werden. Aber Aufn. 53 belegt zumindest,
daß es ein mögliches Folgestadium sein kann, Tabelle 7.2.
Bei der flechtenreichen Aufn. 56 mit nur 1 % Krautschicht kann eine relativ stabile Polytrichum piliferum-
Gesellschaft vermutet werden. Der hohe Anteil von austrocknungsfähigen Flechten und dem Moos Polytrichum piliferum
gibt Hinweise auf extremen Wassermangel (Pott 1995), so daß höhere Pflanzen sich nur schwer ansiedeln können.
Erschwerend kommt hinzu, daß die allelopathischen Absonderungen der Flechten eine Besiedlung anderer Pflanzen
unmöglich machen kann (Wirth 1995).
Calluna vulgaris ist in den Aufn. 54-55 sporadisch, in Aufn. 57 in einer Deckung bis zu 25 % vertreten.
Der verdichtete Oberboden oder auch die Ansammlung von Humus scheinen auch für die Besenheide ausreichend
feuchte Keimungsbedingungen zu liefern und eine Regeneration zu ermöglichen. In den Aufn. 54 und 55 sind einige
Baumkeimlinge aufgelaufen (Pinus sylvestris, Betula pendula und Quercus robur), die eine Sukzession
in Richtung Wald andeuten. Ob sie sich tatsächlich auf diesen Standorten etablieren können, konnte im
Untersuchungszeitraum nicht beobachtet werden. Drehwald und Preising (1991) beobachten bei Humusansammlung
sowohl eine Verdrängung dieser Gesellschaft durch Phanerogamengesellschaften wie Sandtrockenrasen,
Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden als auch ein paralleles Gedeihen dieser Gesellschaften in einem Komplex.
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